[erledigt] Falsche Umsetzung eines PZB-Sonderfalls?

Hier bitte Programmierfehler der Zusi-Software melden.
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questo
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[erledigt] Falsche Umsetzung eines PZB-Sonderfalls?

#1 Beitrag von questo »

Guten Morgen,

kann es sein, dass folgende Situation in Zusi (Hobby und Professional) falsch umgesetzt wurde?

Ich fahre auf ein Vorsignal (Vorsignal <-> Hauptsignal = 400 m) zu, das Vr0 zeigt. Ich befinde mich noch in einer 1000 Hz-Beeinflussung, aus der ich mich allerdings befreien kann. Das mache ich auch. Ich quittiere die erneute 1000 Hz-Beeinflussung am Vr0, in dem Glauben, damit eine komplett neue 1250 m-Überwachung einzuleiten und am 500 Hz-Magnet keine Zwangsbremsung zu bekommen. Zusi folgt mir hier. Ich kriege trotz Unterschreiten der 550 m bis zum 500er nach der Befreiung und dem erneuten Quittieren einer 1000 Hz-Beeinflussung keine Zwangsbremsung. Die Richtlinie sagt dazu aber etwas anderes:

(7) Nach einer Befreiung aus einer restriktiven oder nicht restriktiven 1000 Hz - ÜF ist diese nicht mehr wirksam, läuft
aber über eine Wegstrecke von 1250 m im Hintergrund

weiter.
- Erfolgt in diesem Bereich eine erneute 1000 HzBeeinflussung, so wird die im Hintergrund laufende
ÜF auf einer Länge von 1250 m erneut wieder wirksam. Dies bedeutet, dass eine PZBZwangsbremsung erfolgt, wenn die Geschwindigkeit
beim Befahren eines 1000 Hz - GM größer ist als die
mit blauem LM angezeigte Geschwindigkeit.
- Erfolgt in diesem Bereich eine 500 Hz-Beeinflussung,
so wird unabhängig von der Ist-Geschwindigkeit eine
PZB-Zwangsbremsung eingeleitet.

Nach wirksamer Befreiung zeigt der entsprechende blaue
LM Dauerlicht.
Quelle 483.0111 Abschnitt 4 Absatz 7

Ein absoluter Sonderfall, aber bisher dachte ich immer, ich hätte mich ohne Probleme aus der Beeinflussung befreien können. Sinnvoll vielleicht nicht unbedingt.

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Carsten Hölscher
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Re: Falsche Umsetzung eines PZB-Sonderfalls?

#2 Beitrag von Carsten Hölscher »

Bitte nenne mal alle Abstände, also
- 1. 1000Hz
- Freidrücken
- 2. 1000Hz
- 500er

Wenn der Fahrtenschreiber der Fahrt noch existiert, könnte der evtl. helfen.

Carsten

questo
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Re: Falsche Umsetzung eines PZB-Sonderfalls?

#3 Beitrag von questo »

Ein Abbild des Fahrtverlaufs kann ich nur aus der Hobby-Version liefern und die einzige mir bekannte Stelle wäre die Ausfahrt aus Köln Hbf raus. Der Abstand der Signale 210 und des Esig Köln Messe/Deutz dürfte so gering sein, dass der 500er des Esigs noch dann mitgenommen wird, wenn die 550 m nach der Befreiung nicht überschritten wurden.

Da ich das leider nicht anders darstellen konnte: Gestartet wird die Fahrt mit dem PZB-Startprogramm. Ob das irgendeinen Einfluss, auch in der Realität, auf den beschriebenen Fall hat, kann ich nicht sagen.
Was auf den ersten Blick sehr gut umgesetzt ist, ist der Überlagerungszustand zweier PZB-Kurven. Ich vermute jedenfalls, dadurch, dass direkt nach der Quittierung des Vr0/Ks2 am Sbk210 die Geschwindigkeitsüberwachung direkt auf 85 km/h läuft, die letzte Überwachung "mitgenommen wurde".
Was jetzt noch fraglich ist, ist, ob da quasi im PZB-Rechner stur 550 m heruntergezählt werden, sobald man PZB-Frei betätigt. Also ohne Rücksicht darauf, inwieweit die vorherige Überwachung schon "ausgefahren" wurde. Vielleicht wird ja in echt darauf geachtet, inwieweit eine vorherige Beeinflussung nach Ablauf der 700 m "Hauptbremskurve" die folgenden 550 m "Restüberwachung" schon ausgefahren wurden. Möglich wäre es ja, dass man sich sehr wohl - und das sogar regelwerkskonform (zumindest bezogen auf den im ersten Beitrag erwähnten Abschnitt aus der 483 -> ja ich weiß, das Regelwerk sagt weiter sowas wie "und in den nächsten 550 m keine 500 Hz-Beeinflussung folgt") - kurz vor einem Vr0 befreien darf und die "Restüberwachung" bereits auf bis zu 200 m ausgefahren hat und der nächste 500er dann erst in > 350 m kommt. Dann wäre zwar der Weg vom Zeitpunkt des Befreiens bis zum 500 < 550 m, aber die vorherige noch anhängende "Restüberwachung" ist bereits so weit ausgelaufen, dass die zwei PZB-Beeinflussungen sich zwar überlappen, aber die erste irgendwann einfach ausläuft und damit nicht mehr relevant ist.

Bild

Ich habe diesen Fall mit ein paar Kollegen am Simulator (Professional) simuliert. Da kann man ja auch - anders als in der Hobby-Version - einfach Beeinflussungen "rauswerfen", ohne dass ein Magnet überfahren wurde (also im Gleis lag).

Wir haben die Fahrt also gestartet, sind einmal zum Stehen gekommen, dann wieder angefahren, haben uns dann befreit, dem Zug eine 1000 Hz-Beeinflussung vor die Nase geworfen, die quittiert, einen 500er überfahren und keine Zwangsbremsung bekommen. Da war das Überfahren des 500er auch definitiv noch im Weg der "Restüberwachung" der ersten Beeinflussung (die ja durch die Befreiung in den Hintergrund gerückt ist).

Ich vermute, dass du mit deiner Frage auf die Abstände sogar auf diese Thematik hinaus wolltest.
Frei erfundene Zahlen, so wie es ungefähr im Simulator abgelaufen ist:
Anfahren mit PZB-Startprogramm -> km 0,0
Frei drücken -> km 0,1
1000 Hz-Beeinflussung -> km 0,2
500 Hz-Beeinflussung -> km 0,5

Ich muss hier allerdings sagen, dass ich nicht mehr ganz sicher bin, wie weit das nun wirklich vom Anfahren mit PZB-Startprogramm bis zum 500er war.


Ich konnte doch ein besseres Bild machen: Also, die 550 m des PZB-Startprogramms waren nun drin, als der 500er überfahren wurde.

Bild

Die Zwangsbremsung am Esig Köln Messe-Deutz rührt daher, dass das Hauptsignal auf Halt stand. Ich wollte die Kilometrierung des Signals mit im Screenshot haben.

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Carsten Hölscher
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Re: Falsche Umsetzung eines PZB-Sonderfalls?

#4 Beitrag von Carsten Hölscher »

Meine Erwartung wäre, dass Zusi und auch die echte Bahn bis 550m nach dem Losfahren + Befreien am 500er eine Zwangsbremsung auslöst und über 550m nicht mehr, egal ob dazwischen weitere 1000Hz-Beeinflussungen aufgenommen werden oder nicht.

Carsten

questo
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Re: Falsche Umsetzung eines PZB-Sonderfalls?

#5 Beitrag von questo »

Ich hoffe ja, dass ich alle Parameter in den eben durchgeführten Testfahrten richtig hatte und vor allem auch, dass meine Kollegen und ich gestern am Simulator die richtigen Parameter hatten.
Also, wie festgestellt, tritt diese Zwangsbremsung nach einer Befreiung aus einer Beeinflussung und dem Überfahren eines 500 Hz-Magneten in Zusi nur ein, wenn zwischen dem Befreien und dem 500er keine weitere 1000 Hz-Beeinflussung mehr erfolgt, was ja gemäß Regelwerk (wenn ich es richtig verstanden habe) falsch sein müsste.

Mich würde brennend interessieren, ob die echten Fahrzeuggeräte das so umsetzen, wie es gemäß Regelwerk sein soll. Aber im Rahmen der Zulassungsprozesse wird man bestimmt auf jeden erdenklichen "Sonderfall" geachtet haben.

Vielen Dank Carsten und viele Grüße,
Michael

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Joachim Günther
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Re: Falsche Umsetzung eines PZB-Sonderfalls?

#6 Beitrag von Joachim Günther »

Carsten Hölscher hat geschrieben: 10.11.2022 19:55:21 Meine Erwartung wäre, dass Zusi und auch die echte Bahn bis 550m nach dem Losfahren + Befreien am 500er eine Zwangsbremsung auslöst und über 550m nicht mehr, egal ob dazwischen weitere 1000Hz-Beeinflussungen aufgenommen werden oder nicht.

Carsten
Bei der "Echten Bahn" wird nach einer Befreiung aus einer 1000Hz-Beeinflussung eine Zwangsbremsung (ZB) an einem wirksamen 500 Hz Magneten ausgelöst*,
wenn die 500Hz-Beeinflussung
- innerhalb von 1250m nach der 1000Hz-Beeinflussung oder
- innerhalb von 550m nach dem Aktivieren** des Startprogramms (nicht nach dem Losfahren!!!) aufgenommen wird **.

* der Ort der Befreiung mit der FT und ggf. weitere aufgenommene 1000Hz-Beeinflussungen sind funktional in diesem Zusammenhang nicht relevant,
** immer dann wenn das Triebfahrzeug mit dem Fahrtrichtungsschalter vorwärts aufgeriegelt wird,

Siehe: Betriebliches Lastenheft Punktförmiges Zugbeeinflussungssytem, PZB90 -Fahrzeugeinrichtungen - Ausg. 2014
Kapitel: 4.2., Abschnitt 5 u.a.

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Joachim

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Carsten Hölscher
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Re: Falsche Umsetzung eines PZB-Sonderfalls?

#7 Beitrag von Carsten Hölscher »

Korrekt, kann ich bestätigen und hab ich dann gleich mal behoben.

Carsten

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