in diesem Thema soll es um das komfortable Eisenbahnfahren gehen. Ich bin ein Freund des komfortablen Fahrens. So lege ich als Triebfahrzeugführer Wert darauf, einen Anhalteruck so gut es geht zu vermeiden. Ich versuche außerdem, Änderungen bei Beschleunigung und Verzögerung so sanft wie möglich einzuregeln.
Grundsätzlich habe ich den Eindruck, dass sich bspw. ein Dostopark doch recht sanft anhalten lässt bzw., dass er ohne schnelle Änderungen bei Beschleunigung oder Verzögerung zu fahren ist. Wie will man auch die Verzögerung beim Bremsen bei einem über die HL gebremsten Reisezug schnell und ruckartig verändern? Funktioniert nicht. Ich persönlich fahre leider keine Dostos. Als unvorhersehbare Variable sehe ich das Auflaufen oder Abstoßen der Lok vom letzten Wagen kurz nach dem Anhalten. Irgendwie neigt die Lok ja dazu, beim Anhalten ruckartig an der Schraubenkupplung zu ziehen. Das spürt man im letzten Wagen meist ziemlich stark, vorausgesetzt es handelt sich um einen Wendezug, der gerade gedrückt wird. Mit einem Dosto-Wendezug kann man also nach meinen Maßstaben doch recht komfortabel fahren.
Jetzt muss ich über die "ollen" Triebzüge klagen. Ich habe leider nur den Stadler Flirt 3 XL auf der ZB stehen. Und allgemein hat der Flirt 3 meiner Meinung nach so seine Konstruktionsmacken. Warum ist die Bremsstellung nur in Stufen ausgelegt? Der Flirt hat am Fahrbremsschalter 5 Bremsstufen, eine Vollbremsstufe und eine Schnellbremsstufe. Warum kann hier nicht stufenlos eingebremst werden?! Das finde ich sehr sehr sehr sehr schade. Trotzdem merkt man das Verändern der Bremsstufen im Fahrgastraum nicht wirklich, vorausgesetzt, der Tf da vorne ändert die Stufen beim Zielbremsen nicht ständig wie ein Irrer.
Dann das leidige Thema Haltebremse bei der "Kiste". Das Fahrzeug muss irgendwie folgende harte Bedingungen für das Wirken der Haltebremse haben: 1. Geschwindigkeit kleiner oder gleich 1km/h. 2. Fahrbremsschalter ist in Neutral- oder Bremsstellung. Sind beide Bedingungen erfüllt, gehen recht fix 2 bar in die Bremszylinder ..........................
Mit diesen zwei Bedingungen würde man quasi immer mit einem Kopfnicken zum Stehen kommen. Jeder Flirt3 Fahrer (und vielleicht auch jeder aufmerksame Fahrgast) weiß, dass man die Kiste durchaus auch ohne Nicken zum Stehen kriegt. Es muss also noch eine 3. Bedingung geben. Und ich vermute, die dritte Bedingung ist, dass kein Löseimpuls gegeben wurde. Löst man nämlich exakt genau im richtigen Moment aus (bspw. von Bremsstufe 3 nach Neutralstellung), scheint man die Haltebremse kurz zu übersteuern. Man kommt also mit etwas Glück butterweich zum stehen. Ich werde wahrscheinlich immer der einzige im gesamten Zug sein, der bei solchen anhalterucklosen Anhaltungen innerlich kurz Freudensprünge macht.
Wieso ist die Haltebremse bei manchen Triebzügen so aggressiv? Jede Baureihe führt die Haltebremse, so sie denn ein Triebzug ist, anders aus. Der 1440 kann meiner Beobachtung nach immer sanft zum stehen gebracht werden. Der 442 anscheinend nicht. Der 462 wiederum doch. Der Flirt 3 nur mit Glück. Also ich verstehe nicht, wieso man nicht einfach folgende Bedingungen für die Haltebremse einprogrammiert: (1. Fahrzeug hat ein Stillstandssignal erhalten. und 2. Fahrbremsschalter ist in Neutralstellung.) oder 3. Es liegt eine Traktionssperre vor (Türfreigabe, Federspeicherbremse, HL-Druck, ...).
Ja, es besteht die Gefahr, dass vom Tf unbemerkt das Fahrzeug nach dem Anhalten doch irgendwie weiter rollt. Beim Flirt 3 wäre das bspw. völlig ausgeschlossen (kurzer Reminder: 1 km/h, Neutral- oder Bremsstellung). Aber ich finde, man sollte einem Tf diese Aufmerksamkeit nicht von der Technik abnehmen. Ein Tf eines Reisezugwagenparks muss doch auch immer darauf achten, dass er nach dem Anhalten seine Fuhre sichert. Da ich bis vor einigen Monaten auch Güterzüge gefahren bin, weiß ich, dass man da durchaus einen Automatismus entwickeln kann
Ich habe einfach mal frei nach Schnauze drauf los getippt, weil mich das Thema irgendwie beschäftigt. In der Hoffnung, dass sich ein, zwei, drei am gleichen Thema interessierte Gesprächspartner finden ...
Grüße,
Micha