Stromabnehmervarianten

Fragen der echten Bahntechnik, Lokbedienung, PZB usw.
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Carsten Hölscher
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Stromabnehmervarianten

#1 Beitrag von Carsten Hölscher »

Anläßlich der ganzen Fahrzeugeinstellungen kam bei uns die Frage auf, welche Stromabnehmertypen es eigentlich gibt. Ziel wäre es dann, diese Typen im Fahrzeugeditor verfügbar zu machen, so dass man die Stromabnehmer A bis D den jeweiligen Typen zuordnen kann. Kennt sich hier jemand aus?

Carsten

Alwin Meschede
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Re: Stromabnehmervarianten

#2 Beitrag von Alwin Meschede »

Wenn ich gucke, mit welchen Stromabnehmern man bei Siemens eine Lok bestellen kann, dann gibt es schonmal:

1950 mm Kohle (Deutschland, Österreich, Niederländisches Wechselstromnetz, Dänemark, Tschechisches Wechselstromnetz, Kroatisches Wechselstromnetz, Ungarn, Rumänien)
1450 mm Kohle (Schweiz, Wechselstromnetze von Frankreich/Belgien/Luxemburg)
1450 mm Kupfer/Chrom/Zirconium (Italien, Slowenien, Kroatisches Gleichstromnetz)
1950 mm Kupfer (Polen)
1950 mm metallisierte Kohle (Gleichstromnetze von Niederlande/Tschechien/Frankreich/Slowakei/Luxemburg)
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Carsten Hölscher
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Re: Stromabnehmervarianten

#3 Beitrag von Carsten Hölscher »

Ah. Das heißt, eine echte Europalok könnte man gar nicht bauen - oder gibt es Kompromisse bzw. Abwärtskompatibiltäten bei der Nutzung?

Carsten

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Fabian Schöpflin
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Re: Stromabnehmervarianten

#4 Beitrag von Fabian Schöpflin »

Sinnvoll wäre eine Unterscheidung in Wippenlänge und Arbeitsbereich. Dazu müsste man Alwins Übersicht ergänzen.

Bei der DB gibt es drei Wippen (Graphit) mit einer Wippenlänge von 1950 mm und einem Arbeitsbereich von je 1450 mm, 1550 mm oder 1650 mm.
Zusätzlich gibt es die Eurowippe (Graphit) mit einer Wippenlänge von 1600 mm und einem Arbeitsbereich von 1200 mm. Im Rahmen dieser Normung sind auch die interoperablen Regelbauarten Re 100i und Re 200i entstanden (deren Nutzung beschränkt sich meines Wissens derzeit auf die VDE 8 und andere vereinzelte Streckenabschnitte). Die Regelbauarten Re 250 und Re 330 sind bereits interoperabel. Die Fahrdraht-Seitenverschiebung (b-Maß) und der klemmenfreie Raum sind in Zusammenhang mit der Windlast und dem maximalen Windabtrieb maßgebend für die Verwendbarkeit von Stromabnehmern im Bezug auf die Oberleitungsbauarten der Infrastruktur.

Nachtrag: Für Kroatien, Bosnien-Herzegowina, Serbien, Montenegro, Mazedonien, Griechenland, Türkei (teilweise) nennt Wikipedia eine Wippenlänge von 1650 mm (Graphit).
Ausführliche Daten zur Interoperabilität von Stromabnehmern und Oberleitungsbauarten liegen mir nur für die DB vor.

Zur Frage: Nein, derzeit kann man keine echte Europalok bauen. Zumindest nicht bis jeder Infrastrukturbetreiber die Oberleitung für die Eurowippe normiert hat (was in vielen Ländern - vor allem Deutschland - einem Neubau der gesamten Oberleitungsanlage gleich käme).
Zuletzt geändert von Fabian Schöpflin am 29.04.2021 13:14:42, insgesamt 1-mal geändert.

Alwin Meschede
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Re: Stromabnehmervarianten

#5 Beitrag von Alwin Meschede »

Ist der Arbeitsbereich denn fahrzeugseitig ernstlich von Interesse? Oder anders gefragt: Welches Triebfahrzeug in Deutschland hat mehrere Deutschland-Stromabnehmer mit unterschiedlicher Arbeitsbreite auf dem Dach?
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Carsten Hölscher
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Re: Stromabnehmervarianten

#6 Beitrag von Carsten Hölscher »

Also für Zusi wären letzten Endes sowas wie Kategorien nötig, also so wie man bei einer Mehrsystemlok auch denken würde.

Carsten

F(R)S-Bauer
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Re: Stromabnehmervarianten

#7 Beitrag von F(R)S-Bauer »

Nabend,

wobei es in Epoche 2+3 auch noch mehr gab, 2200mm Breite gab es wohl im Erzgebirge. Also muß man da Luft im System für Erweiterungen schaffen.
Dazu gab es früher ein Seite im Internet, leider nicht mehr vorhanden und nicht kopiert :-(

Gruß

Ralf

ps: die DB(AG) baut auch nur Dort für die Eurowippe wo Korridore sind. Abseits diesem wird weiterhin auf 1950 ausgelegt laut Bahnerforum. Man will es so schwer wie möglich machen. Es gibt wohl sogar Stücke
wo nur die Durchgehenden Hauptgleise Eurotauglich sind, die Überholgleise nicht...

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Carsten Hölscher
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Re: Stromabnehmervarianten

#8 Beitrag von Carsten Hölscher »

Also es würde auf sowas im Fahrzeugeditor rauslaufen.

Bild

Und für jeden SA, der auf dem Dach sitzt, könnte man dann die Verwendung wählen. Diese muss halt sinnig gegliedert sein.

Carsten

Alwin Meschede
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Re: Stromabnehmervarianten

#9 Beitrag von Alwin Meschede »

Ich würde tatsächlich auf Schleifleistenbreite und Material abstellen, und dann jeweils ein paar Länderkürzel nennen. Also anstatt "Typ Deutschland 15 kV" würde ich schreiben "1950 mm Graphit [DE, AT, DK, NL (AC), CZ (AC), HR (AC), HU, RO]" oder so ähnlich. Weil das ist halt kein reiner 15-kV-Stromabnehmer, sondern der kann auch ohne weitere Maßnahmen z.B. in Dänemarks 25-kV-Netz genutzt werden. Denn bei einer Lok, die auch in 25-kV-Netzen verkehren kann, muss ohnehin die gesamte Dachausrüstung für 25 kV isoliert sein.

Die anderen Typen wären dann:
1450 mm Graphit [CH, FR (AC), LU (AC), BE (AC)]
1450 mm CuCrZr [IT, SI, HR (DC)] um sich den Wortbandwurm Kupfer-Chrom-Zirconium-Schleifleiste zu ersparen
1950 mm Kupfer [PL]
1950 mm metal. Graphit [NL (DC), CZ (DC), FR (DC), SK, LU (DC)]
1800 mm Graphit [SE, NO]
1600 mm Graphit [Eurowippe]
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Achim Adams
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Re: Stromabnehmervarianten

#10 Beitrag von Achim Adams »

Was würde denn passieren, wenn versehentlich der falsche Stromabnehmer gehoben wird? Würde dann der heimische PC zwischen 3 und 15 Stunden blockiert, bis der Zusi-TVT den Schaden behoben hat?

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KlausMueller
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Re: Stromabnehmervarianten

#11 Beitrag von KlausMueller »

Mir stellt sich noch die Frage, was mit den Stromabnehmertypen genau gemeint ist. Geht es um die Verwendbarkeit in den verschiedenen Ländern, was sich ja aus Wippenbreiten, Arbeitsbereichen, Werkstoff und Anzahl der Schleifstücke ergibt? Oder geht es um die Stromabnehmerbauart an sich, wo es dann, gerade wenn man auch Altfahrzeuge mit einschließen will, einen gewaltigen Zoo gibt?

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Jens Haupert
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Re: Stromabnehmervarianten

#12 Beitrag von Jens Haupert »

Hallo,

es geht im Grunde darum, in welchem Netz welcher SA gehoben werden darf.

Grüße
Jens

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